Die Limmerbärchen

Die Limmerbärchen – Großtagespflege in Hannover-Limmer

Das Bällebad ist Emils* großer Favorit. Der 16 Monate alte Junge stürzt sich direkt auf die bunten Kugeln, nachdem Mama Greta* den Filius in den Räumen der Großtagespflege „Limmerbärchen“ in Hannover-Limmer auf den Boden gesetzt hat. Die Familie wohnt „um die Ecke“, sagt die Mutter. Sie selbst fängt im Oktober wieder zu arbeiten an und möchte Emil „so schnell wie möglich eingewöhnen“. Der Plan scheint gut aufzugehen, dabei wollte sie bloß die Anmeldung abgeben und zwei, drei Fragen klären. So einfach gehts in der kleinen, hellen Kindertagesstätte von Irina Karaseva und Arifa Rizvi.

Anfang August 2018 kamen die Mitarbeiter des Familien Service Büros der Stadt Hannover, um die Räumlichkeiten abzunehmen. Zu meckern gab es seitens der Profis nichts. Stattdessen machten sie Fotos der Einrichtung als Ideenstütze für andere Einrichtungen, wie sie den beiden qualifizierten Tagespflegekräften versichern. „Wir bieten eine Luxusbetreuung an“, sagt die 29-jährige Rizvi. Für den Anfang nehmen sie acht Kinder von null bis drei Jahre auf. „Mehr geht nicht, sonst können wir den Kindern nicht gerecht werden“, sagt Rizvi. „Wir begleiten die Kinder in den ersten drei Lebensjahren, das ist die wichtigste Zeit. Unsere Aufgabe ist es, liebevoll für sie da zu sein. Wir wollen die Kinder zum Freidenken erziehen.“

Die Räume der ehemaligen Tierarztpraxis sind großzügig hergerichtet. Anfang 2017 plante Karaseva, sich mit einer Einrichtung selbständig zu machen. „Ich war verzweifelt, weil ich nicht wusste, ob ich es wagen sollte oder nicht.“ Sie wendete sich an Christian Eckstein und die Gründungsberatung von Erfolgspfad. „Ich bin mit einem sehr guten Gefühl aus dem Termin gekommen und wusste, dass es machbar ist“, sagt die Neu-Unternehmerin. Innerhalb kurzer Zeit besorgte Eckstein ihr einen Gründungskredit im mittleren fünfstelligen Bereich und weitere finanzielle Unterstützung durch die Region.

Am 31. März zog der Tierarzt aus, am 1. April stand sie mit der Verwalterin vor der Tür. „Es sah schlimm aus, aber ich habe mir gleich vorgestellt, wie es werden könnte“, sagt Karaseva. Das hat offenbar überzeugt. Eine Woche später kam die Zusage der Eigentümerin „ohne mich zu sehen“ – auf Empfehlung der Verwalterin. Dann begann der Umbau, eine lange Geschichte mit Phasen der Enttäuschung und Phasen des Ärgers. „Komischerweise wusste ich trotz aller Widrigkeiten, dass es irgendwie klappt“, sagt Karaseva. „Ich habe niemals gedacht: Warum habe ich das gemacht.“

Die Unterstützung durch die Eigentümerin und ihren Mann, einem Rechtsanwalt, sowie den lokalen Handwerksbetrieben war groß. „Die haben viel mitgemacht“, berichtet Karaseva. Und natürlich die eigenen Familien. „Unsere Männer haben uns gut unterstützt. Normalerweise heißt es ja, hinter einem erfolgreichen Mann steht eine starke Frau. Bei uns“, sagt Rizvi, „ist es anders herum. Wir haben ihnen viel zu verdanken“

Nun stehen den Kindern eine große Küche (grüner Boden) ein Schlafbereich mit acht Bettchen (blauer Boden), zwei große Spielzimmer (orangefarbener und roter Boden), Bällebad, Sofaecke und Kinderküche zur Verfügung. Die acht nebeneinander hängenden Kinderhandtücher im großzügigen Bade- und Waschzimmer lassen einen vermuten, dass die sieben Zwerge Zuwachs bekommen haben. Das Spielzeug ist teilweise selbstgebastelt. Es gibt kein Plastikgeschirr, nur Porzellan. Und Sicherheit wird groß geschrieben. Karaseva hat schon die nächsten Pläne: „Es muss jetzt erstmal anlaufen. Aber ich habe viele Jahre mit Kindern mit Down-Syndrom gearbeitet. Irgendwann mache ich einen Kurs, damit wir hier auch diese Kinder betreuen können. Hier ist jeder willkommen.“

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*(Namen von der Redaktion geändert)