Kenia und Corona – Die Erfolgsgeschichte des Wintergarten-Service Michael Hartmann

Die Idee sich im Wintergartenbau selbständig zu machen war schon ein paar Jahre alt. Ursprünglich hatte Michael Hartmann den Beruf des Zimmermanns gelernt und wechselte erst 2003. Seitdem durchlief er sämtliche Stationen von der Fertigung über die Montage von Wintergärten, bis hin zum administrativen Teil. Durch eine Anfrage des Systemlieferanten ergab sich vor einigen Jahren ein Kontakt zu einem Norddeutschen Glasspezialisten, welcher schon weit über 20 Jahren in Kenia und hauptsächlich in Nairobi tätig war. Dies führte nach einiger Zeit zu einer guten Zusammenarbeit zwischen den Korrespondenten dort und Michael Hartmann hier in Deutschland. „Trotz großem Erfolg war mein Chef irgendwann total unzufrieden mit der Reiseplanung und fand auch die Bauzeiten zu variabel. Er hat mich dann vor die Wahl gestellt, dass ich künftig nur noch für ihn in Deutschland arbeite oder eben gehe und mich evtl. selbständig mache“, erinnert sich Michael Hartmann.

Die Entscheidung war schnell gefallen

So wurde das Arbeitsverhältnis gekündigt und die Vorbereitung der Selbständigkeit stand im Raum. „Ich habe das Know-how, kann mir frei meine Kunden und Projekte wählen und bekomme meine Leistung dann direkt bezahlt. Eine Existenz zu gründen hatte für mich also nur Vorteile, aber für die Planung und konkret für den Businessplan brauchte ich Hilfe“, so Michael Hartmann. Also ging er zur Agentur für Arbeit, um sich arbeitssuchend zu melden und über Fördermöglichkeiten zu informieren. „Ich fühlte mich dort so von oben herab behandelt und überhaupt nicht ernst genommen. Es hieß nur, man brauchte ja immer Handwerker und man könne mich doch besser wieder vermitteln. Das wollte ich ja aber bewusst nicht und habe deswegen selbst Recherchen angestellt und nach Vorlagen für den Businessplan gesucht“, erzählt der Wintergartenbauer.

Bei der Recherche stieß er direkt auf Erfolgspfad und erfuhr hier von der Möglichkeit eines Gründercoachings zur Erarbeitung des Geschäftskonzepts. „Mein Berater war auch etwas geschockt, dass mir bisher niemand von diesen Förderungen wie dem Gründungszuschuss erzählt hatte. Im Endeffekt war er der erste mit Ahnung und deshalb habe ich auch direkt bei ihm das Coaching zur Selbständigkeit gemacht“, berichtet Michael Hartmann. Innerhalb von vier Wochen prüfte er gemeinsam mit dem Berater kritisch die Geschäftsidee, stellte eine SWOT Analyse auf, kristallisierte die konkrete Dienstleistung heraus und plante die Kundenakquise. „Gerade bei der Umsatz- und Rentabilitätsplanung, bei der Kalkulation der Projekte und den Grundzügen des Controllings war es gut noch einen Experten an der Seite zu haben. Die finanziellen Möglichkeiten und Rahmbedingungen sind eben entscheidend bei einer Selbständigkeit“, so Michael Hartmann überzeugt. „Im Businessplan haben wir konkret die ersten Maßnahmen nach der Gründung geplant und seit November 2019 bin ich nun erfolgreich selbständig.“

Der fertige Businessplan wurde bei der Agentur für Arbeit eingereicht und der Gründungszuschuss bis Ende April genehmigt. Relativ schnell baute sich der nun selbständige Wintergartenbauer einen Kundenstamm auf und arbeitete auch weiterhin stark mit Kenia zusammen. Sein Angebot hier in Deutschland erstreckt sich von Kleinstreparaturen rund um den Wintergarten wie defekte Beschläge, Markisen oder Undichtigkeiten. „Ich mache all das, für was es in Deutschland schwierig bis unmöglich ist einen Handwerker zu bekommen und möglichst alles, was ich alleine umsetzen kann“, gibt Michael Hartmann an. Auch den Bereich der Beratung, über den Verkauf von Beschattungen, Überdachungen oder komplette Wintergärten, Insektenschutz, Fenster und Türen sowie deren Materialbeschaffung, Montage und Baubegleitung ist in seinem Portfolio integriert. Für andere Hersteller ist er ebenfalls in der Kundenbetreuung tätig, organisiert und wickelt den Service sowie die Garantieleistungen ab. Michael Hartmann ist zufrieden: „Auch meine Bereitschaft egal wo zu arbeiten, Hauptsache die Fahrtkosten werden getragen, hat mir schon einige Aufträge eingebracht. Es gibt immer wieder Kunden, die nach langer Suche nach einem geeigneten oder gewillten Handwerker auf mich stoßen. Diesen Kunden sind die Anfahrtskosten dann meist egal. Sie sind einfach nur froh, dass sich jemand ihrer Probleme annimmt. Ich versuche dann natürlich immer Touren zu planen, um die Anfahrtskosten gering halten zu können. Es soll fair für beide Seiten sein.“

„Service und Covid-19“

Für den sehr jungen Betrieb lief es in der Covid-19-Krise trotz anfänglicher Bedenken, diversen Auftragsausfällen und der Ungewissheit wie es sich in der Zukunft entwickeln würde, doch relativ gut an. „Erstmal habe ich die zweite Förderphase vom Gründungszuschuss beantragt. Diese 300 Euro helfen einem da schon durch so eine Krise. Da zudem wegen des Lockdowns viele Menschen zuhause bleiben mussten, wurden Türen wie Fenster und auch Beschattungen viel öfter benutzt als vor Corona. Hier nervte die kaputte Schiebetür plötzlich viel mehr als sonst und musste dringend repariert werden. Mein Glück“, schmunzelt Michael Hartmann. In Deutschland läuft sein Servicebetrieb ziemlich gut, auch wenn im Ausland viele kleine Betriebe durch die Krise ruiniert wurden. Trotz der Covid-19-Pandemie wurde die Geschäftsbeziehung nach Ostafrika weiter ausgebaut. Auch hier wird er immer wieder angefordert, um technische Probleme zu lösen oder dortige Projekte zu betreuen.

„Ich selbst konnte dann zwar erstmal nicht mehr nach Kenia reisen, weil das Gesundheitssystem die Auflagen so verschärft hatte, aber mittlerweile ist die erste Geschäftsreise nach dem Lockdown wieder möglich. Alles mit Maske, Hygienemaßnahmen, überall (außer in Deutschland) wurde die Temperatur gemessen und sehr auf die Einhaltung der landesspezifischen Vorgaben geachtet.“ Insgesamt ist die Auftragslage ausgeglichen. „Es könnte freilich noch was mehr sein, aber zum einen bin ich abhängig von Kunden, bei denen etwas defekt ist und zum anderen will man ja auch nicht rund um die Uhr arbeiten.“

Rückblickend ist Michael Hartmann froh wie alles gekommen ist. In seiner Arbeit ist er jetzt sehr flexibel und muss auch nicht immer zwingend vor Ort sein. Telefon-Service gehört genauso zum Alltag wie Videochats mit Kunden hier in Deutschland oder dem Geschäftspartner in Ostafrika, wie Kenia oder Ruanda. „Da denk ich ganz pragmatisch. Ziel ist es ja immer mit meinem Know-how den Kunden zu helfen, egal ob im Großen oder bei Kleinstreparaturen. Da reicht manchmal schon eine Empfehlung per Telefon. Die meisten sind einfach dankbar mal wen kompetentes zu haben. Ging mir ja bei der Gründerberatung genauso. Mein Berater und ich hatten einen super Draht zueinander und er war echt ein starker Partner was den Prozess des AVGS, des Coachings und Gründungszuschusses anging. Ich mag es, wenn alles prompt, tadellos und digital funktioniert. Ich kann da jedem Selbständigen nur empfehlen, sich einen Experten zu suchen und nicht die Flinte ins Korn zu werfen, wenn Ämter einem nicht weiterhelfen (können). Am Ende heißt es Mut haben und dranbleiben.“

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